| Rezension | |||
| Rechtsrock. Einstiegsdroge in rechtsextremes Gedankengut? |
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| Ralph Kummer | |||
| 22.12.2007 | |||
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Mahmut Kural untersucht in seiner Abhandlung die Mutmaßung, dass rechte Rockmusik Einstiegsdroge in die rechtsextreme Szene ist. Nach einem
knappen Blick auf die Entwicklung des Rechtsrocks und die Begriffsbildung gelangt
der Autor zu den Botschaften des Rechtsrock, indem er sich zahlreiche Liedtexte
vornimmt und auf ihre Wirkung hin untersucht.
Rock von rechts als (obszönes) Spiegelbild der GesellschaftDoch leider ist die analytische Ausbeute dieses 76-seitigen Heftes (eine "ehemalige" Diplom- oder Seminararbeit?) eher bescheiden. Dies fängt schon bei der zentralen These an:
Es erschließt sich nicht so recht, warum die Song-Aussagen neuartig (oder originär der Feder entstammend) sein müssen, um als Einstiegsdroge beziehungsweise Erstkontakt zur Szene zu fungieren. Zudem sollte es nicht verwundern, dass die Botschaften rechter Rockbands tatsächlich auch rechte Botschaften sind. Banal erscheinen auch Feststellungen, "dass die von den Gruppen vertretene, rechts-extreme Ideologie durchaus aus propagandistischen Motiven heraus kommuniziert wird" (S.55) oder "dass die Rechtsrocker von den Rezipienten ihrer Musik in der Regel eine übereinstimmende Weltanschauung erwarten" (S.59). Interessant erweist sich die Diskussion folgender These (in Anlehnung an Klaus Farin): Demnach vertone diese "nonkonforme Musik" - abgesehen von wenigen provokativen Spitzen - die Schlagzeilen der Boulevardpresse. Die Feindbilder des Rechtsrock seien mit denen des konservativen Mainstream identisch. Betrachtet man allerdings die abgedruckten Liedtexte, könnte die/der Leser/in, zum Glück für Boulevardpresse wie gesellschaftliche Mitte, zu etwas anderen Schlüssen kommen. Sicherlich stellt die rechte Musik keine Ursache für rechtes Gedankengut dar, aber ob sie wirklich nur Symptom des "Extremismus der Mitte" ist (vgl. S.59), bleibt diskussionswürdig. Eine gewisse Verstärkerfunktion für bestimmte Themen der gesellschaftlichen Mitte ist jedoch nicht abzusprechen. Kural sieht insgesamt Rechtsrock nicht als "Einstiegsdroge" an. Neben Identitätsstiftung, Denkmuster-Bestätigung, Sprachrohrfunktion und Szenekitt kann die rechte Rockmusik aber auch Einstiegsdroge sein - nämlich dann, wenn sich die bis dato passiven RezipientInnen in der Musik "wiederfinden", sich bestätigt fühlen, Konzerte besuchen möchten und Kontakt zu dieser Szene aufbauen, um "etwas zu bewegen", Gleichgesinnte persönlich zu treffen etc. Für meine Begriffe schließt es der Autor zu deutlich aus, dass Rechtsrock ein eminent wichtiger Bestandteil des "Einstiegsdrogen-Cocktails" ist. Deutlich weist Mahmut Kural jedoch auf die Gefahr hin, dass der Rechtsrock "bereits indoktrinierten Szenegängern Gewalt als Handlungsoption für die Verwirklichung der gemeinsamen Ziele" (S.61) aufzeigt. Kurals Ausführungen gewinnen zu selten an Tiefe und analytischer Schärfe (wie z.B. die kurze, lesenswerte Auseinandersetzung mit dem Ethnopluralismus auf den S.51 f.). Ganze 12 Seiten Literaturangaben vermögen nicht, darüber hinweg zu täuschen. Positiv ist hingegen die Kategorisierung und umfangreiche Darstellung der Textinhalte zu bewerten. Indizierungen und Verbote rechter Tonträger helfen kaum, rechtsextreme Einstellungen zu überwinden, eine permanente kritische Auseinandersetzung mit rechter Rockmusik, ihren Inhalten und der sie umgebenden Szene bleibt aber geboten. |
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