| NPD / Immobilien | |||
| Vorstellung im Rieger-Kino ausgefallen: NPD scheitert im "Luxusdomizil" |
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| redok | |||
| 06.01.2008 | |||
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Hameln. In die "heiße Wahlkampfphase" wollte die niedersächsische NPD heute mit einer Veranstaltung gehen, zu der mehr als 100 Anhänger erwartet wurden. Etwa 20 NPD-Mannen fanden sich im ehemaligen Kino in Hameln ein, das dem Hamburger Neonazi und NPD-Vorstandsmitglied Jürgen Rieger gehört - doch die Polizei schickte die Truppe wieder heim. Wegen baulicher Mängel hatte die Stadt Hameln die Nutzung des Kinos verboten.
Moderne Wahlkampfmittel wollte die NPD zur Landtagswahl in Niedersachsen am 27. Januar heute präsentieren: Eine Wahlkampf-DVD mit dem Titel "Offensiv" sollte dem geneigten Publikum vorgestellt werden. Erwartet wurden neben dem Spitzenkandidaten Andreas Molau der Bundesvorsitzende Udo Voigt und der Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Köster. Köster leitet auch den Wahlkampf in Niedersachsen. Leider müsse die Öffentlichkeit draußen bleiben, wenn "die Listenkandidaten, Direktkandidaten und aktiven Wahlkampfhelfer" zusammenkämen - unbequeme Zwischenfragen oder gar Protest sollten das Treffen nicht trüben. Offenbar versucht die NPD gerne im Rahmen ihrer "Wortergreifungsstrategie", Veranstaltungen anderer zu kapern, die eigene Versammlung wurde jedoch zur "geschlossenen" erklärt. Journalisten sollten zwar in einer anschließenden Pressekonferenz Fragen stellen dürfen, doch davor hatte die NPD konspirative Hürden aufgebaut: Medienvertreter sollten sich bei einem NPD-Funktionär "akkreditieren" lassen und sich innerhalb eines Zeitrahmens von einer halben Stunde bei einem Treffpunkt vor dem Bahnhof in Bad Pyrmont einfinden, wo sie abgeholt und zum Tagungsort verbracht würden. Laut Berichten von Beobachtern fand sich jedoch kein NPD-Mann an dem Treffpunkt zum Abholen ein. Doch die Veranstaltung musste ausfallen, denn sie sollte in dem verfallenen ehemaligen City-Kino in Hameln stattfinden, das dem Hamburger Neonazi und NPD-Vorstandsmitglied Jürgen Rieger gehört. Seit Jahren gammelt der Bau vor sich hin, weil Rieger die nötigen Sanierungsarbeiten unterlässt.
Daher war es nicht verwunderlich, dass die Stadt Hameln die heutige Versammlung untersagte und den bereits eingetroffenen Teilnehmern einen Platzverweis erteilte. Vor dem Gebäudekomplex hatten sich mittlerweile 120 Nazigegner zu einer Spontandemonstration versammelt, die zuvor an einer Protestkundgebung in Bad Pyrmont teilgenommen hatten. Dort waren etwa 300 Personen Aufrufen des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des "Bündnis gegen Rechts" gefolgt. Die NPD-Mannen zogen nach dem Rauswurf aus dem Kino nach Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück) um, wo die NPD im Stadtteil Harderberg an der Bundesstraße 51 relativ unbeachtet schon seit längerer Zeit auf Privatgelände ein "NPD-Heim" unterhält. Die Partei hat das Zentrum bereits seit Anfang der 1990er Jahre gepachtet und nutzt es für Kameradschaftsabende wie auch für Veranstaltungen. Das Haus steht nicht nur NPD-Verbänden, sondern auch Neonazis aus den "Freien Kameradschaften" zur Verfügung; der Einzugsbereich erstreckt sich nicht nur auf das südwestliche Niedersachsen, sondern auch auf das benachbarte Münsterland in Nordrhein-Westfalen. Die enge Zusammenarbeit über die Landesgrenze wird auch durch die Kandidatur von Markus Pohl im Wahlkreis Vechta unterstrichen: Der aus dem münsterländischen Lengerich stammende Pohl tritt zur Landtagswahl in Niedersachsen an, obwohl er eigentlich als NPD-Kreisgeschäftsführer in Münster und Landesvorstandsmitglied (verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit) in Nordrhein-Westfalen beheimatet ist. Seit 2006 wohnt er nach eigenen Angaben in Osnabrück; in der südwest-niedersächsischen Region hatte er auch seine politische Laufbahn in der Kameradschaft "Teutoburger Wald" und dem "Nationalen Widerstand Osnabrücker Land" begonnen. Unverkäufliches "Luxusdomizil"
Jürgen Rieger versucht mittlerweile seit mehreren Jahren, den Gebäudekomplex in der Hamelner Innenstadt loszuwerden, zu dem nicht nur das Kino gehört, sondern im Hauptgebäude acht Wohnungen und fünf Ladengeschäfte sowie in einem Nebengebäude weitere zwei Wohnungen; dazu kann im Keller noch eine Kegelbahn betrieben werden. Laut Kennern der regionalen Szene soll mindestens eine der Wohnungen von Neonazis bewohnt sein. Im Internet präsentiert Siv Annette Westedt, die Webmasterin von Riegers persönlicher Webseite, "Ein kultureller Beitrag für die Stadt Hameln" sei der Komplex, für den Rieger offenbar keine ehrbaren Käufer finden kann. Ein Kaufpreis werde "auf Anfrage" mitgeteilt. Auch beim Internet-Auktionshaus eBay wird das Kino angeboten: dort will Riegers Internet-Dame unter dem Benutzernamen "zokky7" 2,5 Millionen Euro für den Kasten in der 60.000-Einwohner-Stadt kassieren, das angeblich laut einem Gutachten aus dem Jahr 1996 umgerechnet etwa 4,6 Millionen Euro wert sein soll. Laut dieser Beschreibung sollen derzeit drei Ladengeschäfte und sieben Wohnungen vermietet sein; der gesamte Kinokomplex könne für 8.500 Euro im Monat gemietet werden. In punkto Nutzung hat Webmasterin Westedt für das Kino auch "Beispiele für lukrative Nutzungsmöglichkeiten" parat: an erster Stelle steht - wer hätte es gedacht - "Schulungszentrum politischer Parteien". Auch einen "Armyshop" kann Frau Westedt sich dort vorstellen, eine "Daddelhalle" oder Diskothek ("Schallschutz vorhanden") sind ebenso denkbar wie Hochzeitsfeiern und Modeschauen. Das heutige Scheitern einer NPD-Versammlung dürfte den Verkaufs-Aussichten nicht gerade förderlich sein. Solange Frau Westedt Riegers Kino nicht losschlagen kann, muss sie sich wohl oder übel mit dem Verkauf ihres sonstigen Sortiments begnügen: dazu zählen etwa Kräutertee Marke "Esoteris" ("sexuell anregend !! ") oder "Hexenbedarf". |
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