start arrow hintergrund arrow Ein "Sonderbeauftragter" bei den "Weißen Wölfen"
NPD / Aktivisten
Ein "Sonderbeauftragter" bei den "Weißen Wölfen" PDF Drucken E-Mail
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27.05.2006
Im Blick der Öffentlichkeit steht Stephan Göbeke-Teichert nicht gerade. Der NPD-Kader aus dem bayerischen Roding hat jedoch schon wichtige Funktionen für die Partei ausgeübt; in der Oberpfälzer Provinz gehört er zu den Schaltstellen zwischen der NPD und den "Freien Kameradschaften".

Unterwegs in Schwaben und der Schweiz

Der 1971 in Braunschweig geborene Stephan Göbeke-Teichert, von Beruf Schriftsetzer, ist seit Jahren in Sachen Neonazismus und NPD aktiv. Nach Informationen des externer Linkblick nach rechts war er Mitte der 1990er Jahre im baden-württembergischen Aichwald (Landkreis Esslingen) ansässig und bei der neonazistischen "Süddeutschen Allgemeinen Zeitung" (SAZ) aktiv, die zum "nationalen Medienverbund" um die damalige "Berlin-Brandenburger Zeitung“ gehörte und nach Eigenangabe eine Auflage von 10.000 Exemplaren hatte. 1995 trat Göbeke-Teichert für das "Rechtskomitee Stuttgart" und das "Bürgerkomitee gegen den Mißbrauch der Polizei" in Erscheinung.

1997 wurde Göbeke-Teichert gar mit "diplomatischen Aufgaben" betraut: Für die rechtsextremistische "Nationale Initiative Schweiz" (NIS) übernahm er die "Generalvertretung in der BR-Deutschland". Damit erschöpften sich die Kontakte in die Schweiz jedoch nicht: Im zeitlichen Vorfeld des NPD-Verbotsverfahrens reiste Göbeke-Teichert, mittlerweile in Roding (Landkreis Cham) ansässig, wochenlang als "Sonderbeauftragter für die Schweiz" das südliche Nachbarland. Seine Aufgabe: "neue Parteimitglieder anwerben und bestehenden Neonazi-Gruppierungen beim Aufbau ihrer Strukturen helfen", wie die Schweizer Zeitung externer LinkSonntagsblick am 09.07.2000 berichtete. "Wir sind selber überrascht über den enormen Zulauf", zitierte das Blatt den braunen Reisekader.

Diese Aktivitäten brachten Göbeke-Teichert umgehend eine von der Schweizer Bundespolizei erlassene Einreisesperre in die Schweiz ein. Für die Partei stellte das jedoch kein großes Problem dar, wie der damalige Pressesprecher Andreas Storr sagte: "Da finden wir schnell andere Mittel und Möglichkeiten".

Seit Jahren aktiver Kader in Bayern

Von Dezember 2001 bis März 2004 war er Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN). Der externer Linkbayerische Verfassungsschutz schrieb nach seiner Wahl:

Die jetzige Zusammensetzung des [...] Landesvorstands mit dem neuen Vorsitzenden Göbeke-Teichert lässt eine starke neonazistische Ausrichtung erkennen. Einige seiner Stellvertreter entstammen neonazistischen Vereinigungen und sind durch Verbindungen zum Skinhead-Spektrum sowie einschlägige Straftaten bekannt geworden. Göbeke-Teichert kündigte bereits im Vorfeld an, er halte die „Arbeit in der Partei“ für sinnvoller als ein Agieren in „freien Verbindungen“.

Dem Landesvorstand der NPD gehörte Göbeke-Teichert seit November 2004 an. Der NPD-Bezirksverband Oberpfalz war lange Zeit über eine Postfachadresse in Göbeke-Teicherts Wohnort Roding zu erreichen. Bei NPD-Versammlungen referierte er unter anderem zum Thema "Die Geheimdienste der BRD".

Als Redner trat Göbeke-Teichert bei Demonstrationen in Grafenwöhr und Bernau auf, im Mai 2005 sprach er anlässlich der Gründung eines "Stützpunkt Wunsiedel" der JN. Im September 2005 kandidierte er bei den Bundestagswahlen auf Platz 23 der bayerischen NPD-Landesliste.

Göbeke-Teichert ist nicht nur Mitglied der NPD, sondern in Roding gehört er offenbar auch als führender Kopf der "Kameradschaft Weiße Wölfe" an, die vom bayerischen Verfassungsschutz in der Rubrik "neonazistische Organisationen und Zusammenschlüsse" geführt wird. Nach außen haben die "Weißen Wölfe" nichts mit der NPD zu tun, tatsächlich werden sie auch vom Staatsschutz dem Umfeld der NPD zugerechnet.

Im Mai 2006 wurden zumindest regionale Medien auf Göbeke-Teichert aufmerksam. Im Zuge des Versuchs der bayerischen NPD, einen Gebäudekomplex in Cham zu kaufen, fanden örtliche NPD-Gegner heraus, dass er seit Jahren beim Technischen Hilfswerk (THW) in Straubing aktiv war. Das Bundesinnenministerium schaltete sich ein und wies die Organisation an, den Neonazi zu entlassen; Mitgliedschaften in NPD und THW seien nicht zu vereinbaren, so das Ministerium. Das THW weigerte sich jedoch, dieser Anweisung zu folgen; der Straubinger THW-Geschäftsführer sprach von einer "Hexenjagd".