| Neonazis / Rechte Gewalt / Vor Gericht | |||
| Verurteilter im Klappspaten-Prozess erneut angeklagt |
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| redok | |
| 24.03.2009 | |
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Schwalmstadt. Elf nordhessische Neonazis müssen sich im Mai vor dem Amtsgericht Schwalmstadt wegen eines Angriffs auf Besucher eines Jugendzentrums verantworten. Zu den Angeklagten gehört Kevin S., der erst im Januar wegen eines Angriffs mit einem Klappspaten auf ein 13-jähriges Mädchen zu über zwei Jahren Haft verurteilt worden war. Weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, war er auf freien Fuß gesetzt worden. Von der neuerlichen Anklage habe man erst zu spät erfahren, heißt es beim Landgericht Kassel.
Seit dem Frühjahr 2008 waren jugendliche Neonazis der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" (FKSE) zunehmend durch Provokationen und Angriffe aufgefallen. Gipfelpunkt der Gewalttaten war im Juli der Angriff auf ein Sommercamp einer linken Jugendorganisation, bei dem ein 13-jähriges Mädchen mit einem Klappspaten schwer verletzt wurde. Die Kriminalpolizei hatte in der Region seit dem April bis dahin, also innerhalb von vier Monaten, mehr als acht einschlägige "Vorfälle" registriert. Anfang Juni 2008 zog eine Gruppe der FKSE in den frühen Morgenstunden los. Mit vier Autos sollen sie laut Augenzeugenberichten nach Frielendorf-Todenhausen gefahren sein, um sich dort vermummt vor dem örtlichen Jugendclub auf die Lauer zu legen. Dann bewarfen sie Besucher des Clubs mit Pflastersteinen, verprügelten sie und nahmen ihnen Handys ab. Die Polizei ermittelte wegen Raubüberfalls. Rund 40 Anhänger sollen die FKSE gehabt haben. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten von etwa 30 aktiven Mitgliedern und Sympathisanten im Alter zwischen 17 und 32 Jahren gesprochen. Ein ehemaliger Angehöriger der Gruppe, der nach dem Überfall auf das Zeltlager aus der Gruppe ausgestiegen war, hatte der Frankfurter Rundschau berichtet, dass etwa zehn Personen dem harten Kern angehört hatten. Über diesen Kern und dessen Rolle beim Angriff beim Todenhausener Jugendclub sagte er der Zeitung: "Da waren alle dabei". Gegen 13 Tatverdächtige hatte die Marburger Staatsanwaltschaft ermittelt, nun werden elf mutmaßliche FKSE-Angehörige wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes angeklagt. Zu den Angeklagten zählt auch der 19-jährige Kevin S., der im Januar als Haupttäter des Klappspaten-Überfalls zu zwei Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt worden war. In diesem Prozess hatte ein Kripo-Beamter ausgesagt, dass es im Zusammenhang mit dem Überfall in Todenhausen einen Drohanruf gegeben hatte, der vom Handy von Kevin S. gekommen war. Dessen Anwalt Dirk Waldschmidt hatte Revision gegen das Urteil eingelegt, damit ist es nicht rechtskräftig. Anfang März war Kevin S. aus der Haft entlassen worden, weil das Landgericht Kassel eine andauernde U-Haft als "unverhältnismäßig" ansah. Er hat einen festen Wohnsitz und muss sich einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Nun kann Kevin S. im Mai mit seinen zehn Mitangeklagten auf freiem Fuß in die Verhandlung vor dem Amtsgericht Schwalmstadt gehen. Die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine zitiert Landgerichtspräsident Wolfgang Löffler, man habe von der neuerlichen Anklage erst zu spät erfahren. Während des Kasseler Prozesses hatte Kevin S. erklärt, er habe sich von der rechten Szene gelöst. Antifaschistische Gruppen wollen dagegen Hinweise darauf haben, dass er nach seiner Freilassung "wieder Kontakte in der Nazi-Szene aufnimmt". |