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Neonazis / Antisemitismus / Rassismus
Vom "Führer" können sie nicht lassen PDF Drucken E-Mail
redok   
09.09.2009
Dortmund. Beim "Nationalen Antikriegstag" machte der Anmelder der neonazistischen Veranstaltung mit einem Hitler-Zitat in seiner Rede klar, wer da als Vorbild dient. Schon seit Jahren betreiben die angeblichen "Autonomen Nationalisten" einen kaum kaschierten Antisemitismus, der auch bei der Stand-Kundgebung am vergangenen Samstag deutlich zum Ausdruck kam.

Zunächst hatte Dennis Giemsch, der Kopf der Dortmunder "Autonomen Nationalisten", in seiner Rede übliche Nazi-Phrasen von "Demokraten und sonstigen Gutmenschen" gedroschen, die Angst vor dem versammelten braunen Haufen hätten. Nach holprigen Metaphern ("Die Hochfinanz steht auf morschen Knochen") und missionarischem Pathos ("Dem Volk die Augen zu öffnen, ist unsere Aufgabe") forderte er ein "Europa der Vaterländer", das auch für spätere Generationen erhalten bliebe.

Damit nahm der Dortmunder Jungnazi einen Begriff auf, der als politisches Konzept Anfang der 1960er Jahre geprägt worden war - allerdings nicht von einem deutschnationalen Politiker, sondern vom französischen Präsidenten Charles de Gaulle, der sich freilich solch ein "Europa der Vaterländer" ohne Großbritannien und unter der Führung Frankreichs vorstellte. Seitdem ist viel Wasser die Seine und den Rhein hinuntergeflossen, und der Ausdruck "Europa der Vaterländer" findet bei Konservativen praktisch keine Verwendung mehr, sondern ist von der extremen Rechten okkupiert worden.

Doch mit de Gaulles "Europa" war es in der Dortmunder Nazi-Rede noch nicht getan. Den 700 Kameraden war natürlich klar, wessen Worte der Jungnazi da mit diesem "Zitat eines Deutschen Politikers" ankündigte:

"Alles auf der Erde ist zu bessern. Jede Niederlage kann zum Vater eines späteren Sieges werden. Jeder verlorene Krieg zur Ursache einer späteren Erhebung, jede Not zur Befruchtung menschlicher Energie, und aus jeder Unterdrückung vermögen die Kräfte zu einer neuen seelischen Wiedergeburt zu kommen, solange das Blut rein erhalten bleibt."

Die in der Landsberger Festungshaft geschriebenen Worte des Adolf Hitler ("Mein Kampf", Erster Band, Kapitel 11) bezogen sich zwar auf die Niederlage des Ersten Weltkrieges und nicht auf die eher magere Kulisse des Neonazi-"Antikriegstages" in Dortmund, doch die Absicht der Trost spendenden Aufmunterung in düsteren Situationen war wohl die gleiche. Nicht bemerkt hatte Giemsch freilich, dass er damit auch deutlich machte, gegen welche Art von Krieg seine Truppen eigentlich sind: nämlich keineswegs etwa gegen Krieg an sich, sondern gegen den verlorenen Krieg. Schon vor Jahren hatte Siegfried Borchardt, die "graue Eminenz" der Dortmunder Neonazis, die griffige und selbst für Nazis eingängige Parole ausgegeben "Nie wieder Krieg - nach unserem Sieg!"

Die gleiche Absicht hatten Hitler und Giemsch auch in puncto Judenhetze. Die Bedeutung des Hitler-Zitates wird erst im Kontext deutlich, denn vor diesen Zeilen hatte der Nazi-Führer geschrieben:

Wenn wir all die Ursachen des deutschen Zusammenbruches vor unserem Auge vorbeiziehen lassen, dann bleibt als die letzte und ausschlaggebende das Nichterkennen des Rasseproblems und besonders der jüdischen Gefahr übrig.
[...]
Indem das alte Reich an der Frage der Erhaltung der rassischen Grundlagen unseres Volkstums achtlos vorüberging, mißachtete es auch das alleinige Recht, das auf dieser Welt Leben gibt. Völker, die sich bastardieren oder bastardieren lassen, sündigen gegen den Willen der ewigen Vorsehung, und ihr durch einen Stärkeren herbeigeführter Untergang ist dann nicht ein Unrecht, das ihnen zugefügt wird, sondern nur die Wiederherstellung des Rechtes. Wenn ein Volk die ihm von der Natur gegebenen und in seinem Blute wurzelnden Eigenschaften seines Wesens nicht mehr achten will, hat es kein Recht mehr zur Klage über den Verlust seines irdischen Daseins.

Dass der "Antikapitalismus" nach Art des braunen Hauses kaum etwas anderes als Antisemitismus ist, machten derweil zu Füßen des Demo-Redners Giemsch auch die "Kameraden" von der "AG Ruhr-Mitte" deutlich.

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Der ewige Krake: Antisemitismus als "Kapitalismuskritik" verkleidet

Diese Truppe aus dem "Herzen des Ruhrgebietes", die laut eigenem Motto den "Nationalen Sozialismus fühlen, verinnerlichen und leben" will, meinte mit dem Ewigkeits-Attribut natürlich nicht das historisch ab dem 15. Jahrhundert entstandene Wirtschaftssystem, sondern den "ewigen Juden", der als "Geldjude" die Welt aussaugt und plündert. Damit setzten die Kameraden aus Gelsenkirchen die Parole der Dortmunder Kumpane fort, die diese vor zwei Jahren am 1. Mai durch die Straßen trugen:

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Damals hatten die Dortmunder Nazis den gewollten Nicht-Reim präsentiert:

Ob Dortmund, Erfurt oder Buxtehude
Der Feind ist & bleibt der Kapitalismus!

Selbst innerhalb der noch überschaubaren Sub-Szene der "Autonomen Nationalisten", wo ein "Antiimperialismus" der Sorte "gegen USA und Israel" gang und gäbe ist, haben sich die Ruhrgebiets-Nazis damit wohl am deutlichsten als waschechte Antisemiten und zumal recht ideenlose Nachäffer von Hitler und Goebbels positioniert.


[Bild 1. Mai 2007: mit freundlicher Genehmigung © externer LinkDaniel Rehbein]
[mit Dank für den Hinweis auf das Bild vom 05.09.2009 an externer LinkMichael Klarmann]

Siehe auch:

Hintergrund: Neonazis für den Frieden?