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Rechtsanwalt und Neonazi: Jürgen Rieger | Neonazis | |||
| Rechtsanwalt und Neonazi: Jürgen Rieger |
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| Anton Maegerle | ||
| 30.10.2009 | ||
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Seit Ende der 60er Jahre zählt der Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Hans Paul Rieger zu den führenden Köpfen des rechtsextremen Spektrums in der Bundesrepublik Deutschland. Rieger, seit September 2006 Mitglied der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), ist bundesweit einer der einflussreichsten Strippenzieher zwischen verschiedensten rechtsextremen Organisationen und Vereinen. Er gilt in dieser Szene als Gallionsfigur.
Als gefragter Referent bei rechtsextremistischen Veranstaltungen, in Publikationen und Interviews verbreitet Rieger sein neonazistisches Gedankengut, insbesondere seine rassistischen Thesen. Zu seiner Klientel zählt der Advokat, der wegen Volksverhetzung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung verurteilt ist, Holocaustleugner, Neonazis und NS-Kriegsverbrecher. Rieger verfügt über ein Millionen-Vermögen aus Nazi-Erbschaften. Im Sommer 2006 lieferte er über Wochen hinweg Schlagzeilen. Sein Ansinnen, im niedersächsischen Delmenhorst das 80-Betten-"Hotel am Stadtpark", in direkter Nachbarschaft von Rathaus und Polizei gelegen, für mehrere Millionen Euro zu erwerben und zu einem rechtsextremen Kongress- und Schulungszentrum auszubauen, war den Medien selbst in Spanien und Japan eine Nachricht wert. (1) Rieger - rechtsextremer MultiaktivistRieger, 1946 im niedersächsischen Blexen bei Oldenburg geboren, ist seit seiner Gymnasialzeit in rechtsextremen Zusammenhängen aktiv. Mitte der 60er Jahre wurde der damalige Gymnasiast Mitglied der gebietsrevisionistischen "Aktion Oder-Neisse" (AKON). Gegründet wurde die AKON im September 1962 in Darmstadt als Kampfbund gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens. Die AKON definierte sich als einen "freiwilligen und losen Zusammenschluss von Privatpersonen, die sich aktiv gegen jeden Verzicht auf die deutschen Ostgebiete einsetzen." Unter den "deutschen Ostgebieten" verstand die AKON "Ostpreußen mit Memelland, Westpreußen mit Danzig, Pommern, Ostbrandenburg, die deutschsprachigen Randgebiete der Provinz Posen, Schlesien und das Sudetenland". (2) 1969 warb die AKON in Hamburg in einer Postwurfsendung für einen Vortrag des Jura-Studenten Rieger zum Thema "Die Rückgewinnung Ostdeutschlands - eine Aufgabe für die Jugend". Rieger stieg in der AKON zum Landesbeauftragten für Hamburg, Berlin sowie Schleswig-Holstein auf. Zuletzt bekleidete er das Amt des stellvertretenden AKON-Bundesvorsitzenden. Während seiner Studienzeit schloss sich Rieger den extrem rechten Gruppierungen "Republikanischer Studentenbund Deutschland" und "Bund Heimattreuer Jugend" (BHJ) an. Als Mitglied trat er auch der neonationalsozialistischen "Wiking-Jugend" (WJ), einer Imitation der Hitler-Jugend (HJ), bei. In deren gleichnamigen Organ "Wikinger. Gestalt und Ausdruck heimattreuer Jugend" war Rieger zeitweise für das Fachreferat "Studenten und Schule" zuständig. Die WJ wurde 1994 vom Bundesminister des Innern wegen ihrer Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus verboten. Publizistisch machte Student Rieger mit seiner 60-seitigen Broschüre "Rasse - ein Problem auch für uns" in einschlägigen Kreisen auf sich aufmerksam. (3) In dem Machwerk finden sich Sätze wie "Als Kuriosum sei angeführt, daß die Rassen nicht einmal die gleichen Arten an Parasiten wie Bettwanzen und Läuse haben." (4) oder "Wir müssen endgültig mit der sentimentalen 'Onkel Tom'-Stimmung aufräumen. ... Die Rassenkämpfe der Zukunft sollen uns nicht unvorbereitet sehen." (5) Rieger abschließend: "Appellieren wir an die, die Müdigkeit verabscheuen. Wecken wir die Kräfte unserer Rasse, die unter der genormten Zivilisationsfassade verborgen schlummern. 'Die Weißen Riesen kommen!' dröhnten die Trommeln vor der Kampfgruppe des Oberst Hoare im Kongo. Erweisen wir uns dieses Namens als würdig!" (6) 1972 wurde das Erstlingswerk von Rieger als jugendgefährdend auf den Index gesetzt. Riegers Positionen stuft der Verfassungsschutz seit Jahrzehnten als rassistisch ein. Die in der Bundesrepublik gebräuchliche Verwendung des Begriffes Rassismus, so der Verfassungsschutz, nimmt Bezug auf die Rassenideologie des Nationalsozialismus, die die Selektion und Vernichtung von Millionen Menschen biologisch begründete. Rassisten leiten aus genetischen Merkmalen der Menschen eine naturgegebene soziale Rangordnung ab. Sie unterscheiden zwischen wertvollen und minderwertigen menschlichen "Rassen". (7) 1970 fungierte Rieger als Pressesprecher des Hamburger "Freundeskreises der CSU". Im gleichen Jahr nahm er an einer gewalttätigen Demonstration der revanchistischen "Aktion Widerstand" in Würzburg teil und wurde in Folge 1974 wegen Körperverletzung verurteilt. Aus dem Kreis der "Aktion Widerstand" wurden bei Veranstaltungen Sprüche skandiert wie "Herbert Wehner, Willy Brandt - Volksverräter an die Wand!". 1971 war Rieger mitbeteiligt an der vorgetäuschten Entführung des AKON-Bundesvorsitzenden Berthold Rubin, mit der man versuchte, die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein zugunsten der CDU zu beeinflussen. Von 1972 bis Mitte der 90er Jahre amtierte Rieger als Vorsitzender der rassistischen "Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V." (GfbAEV). Die GfbAEV verbreitete unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Disziplin "Anthropologie" rassistische Thesen, die sich gegen eine "Vermischung der Rassen" richtete. Danach begeht jeder Mensch biologischen Verrat, der einen Partner fremder "Rasse" heiratet. Im April 1988 legte Rieger auf einer Veranstaltung des NS-apologetischen "Freundeskreis Ulrich von Hutten" im hessischen Niederaula in seinem Vortrag "Die biologische Lage unseres Volkes" die "Fakten planmäßig angesetzter Maßnahmen zur Volksmordpolitik am deutschen Volk" dar. (8) Seit November 1988 ist Rieger Leiter der rassistischen "Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V." und "Schriftleiter" ihrer "Nordischen Zeitung" (Untertitel: "Die Stimme des Artglaubens"). Die mehrere hundert Mitglieder starke "Artgemeinschaft" ist eine heidnisch-germanische Weltanschauungsgemeinschaft. Sie versteht sich als religiöse Gemeinschaft, die sich "zum germanischen Kulturerbe und dessen Weiterentwicklung" ("Artbekenntnis") bekennt. Statt der angeblich leib- und lebensfeindlichen universalistischen Religionen des Christen- und Judentums bekennt sich die "Artgemeinschaft" zu einem "Leben im Einklang mit den Naturgesetzen". Dahinter, so der Verfassungsschutz, "verbirgt sich eine völkisch-rassistische Weltanschauung, in deren Mittelpunkt die Überbetonung der eigenen 'Rasse' steht." In ihren programmatischen Schriften "Das Artbekenntnis" und "Das Sittengesetz unserer Art" formuliert die "Artgemeinschaft" eine "pervertierte Lebensphilosophie, in deren Zentrum nicht das Leben, sondern Kampf, Opfer und Tod stehen." Gesellschaftspolitisches Vorbild ist für die "Artgemeinschaft" nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes eine "behauptete germanische Wert- und Stammesordnung. Dieses Weltbild basiert auf der biologistisch-rassistischen Annahme von verschiedenen 'Menschenarten' mit unterschiedlichen Wertigkeiten. Die Bewahrung und Förderung der eigenen Art ist für die 'Artgemeinschaft' das höchste Ziel. Erreicht werden soll dieses Ziel durch 'gleichgeartete Gattenwahl, die Gewähr für gleichgeartete Kinder'. Zwischen den Menschenarten nimmt die 'Artgemeinschaft' eine klare Unterscheidung in 'Eigene' und 'Fremde' vor, wobei erstere als 'Freunde', letztere als 'Feinde' wahrgenommen werden." (9) Seit Anfang der neunziger Jahre richtet Rieger seine Agitation insbesondere gegen Ausländer. Dazu hat er einen 'Neun-Punkte-Plan zur Ausländerrückführung" entwickelt. Unter Punkt 9 schreibt Rieger: "Der Begriff 'Gastarbeiter' bedeutet, daß nur bei vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten ein Aufenthalt erlaubt ist. 'Gäste' hat man nicht auf Dauer - sie haben einmal zu gehen. Gleichwohl entziehen die bundesdeutschen Behörden arbeitslosen Ausländern nicht die Aufenthaltserlaubnis, sondern gewähren ihnen Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe. Alles Geld, was dem deutschen Volk zusteht." (10) Verbreitet wurde dieser Plan unter anderem von der Neonazi-Truppe "Nationalistische Front" (NF), mit der Rieger stark sympathisierte. Im November 1990 referierte Rieger beim 1. Bundesseminar der NF im niedersächsischen Hetendorf zum Thema "Hintergrund der Ausländerintegration". 1992 wurde diese Neonazi-Vereinigung bundesweit verboten. Gern gesehener Referent war Rieger auch bei der von ehemaligen SS-Offizieren und NSDAP-Funktionären gegründeten "Gesellschaft für freie Publizistik" (GfP), der größten rechtsextremen kulturpolitischen Vereinigung Deutschlands. 1991 hatte er bei der GfP einen Referatsauftritt. Im Interview mit dem ARD-Politmagazin Panorama drohte Rieger 1993: "Wenn der erste Reporter umgelegt ist, der erste Richter umgelegt ist, dann wissen sie, es geht los. Nicht die Großen, da wird nicht der Präsident des Bundesverfassungsgerichtshofs, alles Quatsch, das interessiert nicht, aber die Gruppierungen, die sind dran ... Reporter, Richter, Polizisten, Sie." (11) Im April 1993 rauschte ein Kübelwagen aus dem Zweiten Weltkrieg an einer Polizeistreife in Reinbek bei Hamburg vorbei. Am Steuer: Rieger im Wehrmachtskampfanzug. Das KFZ-Nummernschild trug Abzeichen der 12.SS-Panzerdivision "Hitler-Jugend" und SS-Runen. Wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wurde Rieger 1994 vom Amtsgericht Hamburg zu einer Geldstrafe von 14.000 Mark verurteilt. Frenetischen Applaus erntete Rieger im September 1996 auf einer Großkundgebung der DVU in der Passauer Nibelungenhalle. Vor etwa 2.300 Besuchern wurde Rieger, der als unerschrockener Kämpfer für die Freiheit des deutschen Volkes gewürdigt wurde, mit dem "Freiheitspreis der 'Deutschen National-Zeitung'" ausgezeichnet. Von 1991 bis 1997 war Rieger die Zentralfigur der jährlich durchgeführten "Hetendorfer Tagungswochen". Im rechtsextremen Schulungszentrum Hetendorf, in der Nähe des einstigen KZ Bergen-Belsen gelegen, traf sich regelmäßig die braune Elite. Redner aus allen "Gauen" der Bundesrepublik verherrlichten bei diesen Tagungswochen den Nationalsozialismus, leugneten die Judenvernichtung, verkündeten rassistische und fremdenfeindliche Thesen, lehnten die freiheitliche demokratische Grundordnung ab und agitierten gegen die staatlichen Insitutionen. Rieger leitete bis zu deren Verbot am 11. Februar 1998 die neonazistischen Organisationen "Heideheim e.V." und "Heide-Heim e.V.", die das Schulungszentrum auf dem 15.000 Quadratmeter-Anwesen betrieben. Engagiert bei beiden Vereinen war die überzeugte Nationalsozialistin Gertrud Herr. Herr war von 1930 bis 1945 als "Führerin" im nationalsozialistischen "Bund Deutscher Mädel", davon sieben Jahre als hauptamtliche Schulführerin einer Gebiets-Führerinnenschule, insbesondere für nationalsozialistische Weltanschauung und Politik, tätig. 2001 organisierte Rieger erstmals nach zehn Jahren wieder eine zentrale Gedenkveranstaltung für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß im bayerischen Wunsiedel, dem Begräbnisort des Heß. Bis 2010 hat Rieger die Gedenkveranstaltungen in Wunsiedel angemeldet. 2005 und 2006 wurden die Aufmärsche in letzter Instanz vom Bundesverfassungsgericht verboten. Nach 46 Jahren Haft im Allierten Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau beging der ideale "Hitler-Ersatz" am 17. August 1987 Selbstmord. Seinen Selbstmord bezweifeln Neonazis bis heute. In einem Redebeitrag bei einer NPD-Demonstration am 1. Mai 2003 in Berlin-Charlottenburg pries Rieger die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik. Daran anknüpfend machte der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt in einer weiteren Rede die hier lebenden Ausländer für die derzeitige Arbeitslosigkeit verantwortlich. Im März 2004 kommentierte Rieger die in rechtsextremen Kreisen verhasste Wehrmachtsausstellung mit den Worten: "In den 50ern hätte man die Ausstellung kurz und klein geschlagen, und Reemtsma wäre am nächsten Baum aufgehängt worden." (12) 2005 kandidierte Rieger für die NPD in Hamburg zum Bundestag. Im gleichen Jahr lud ihn die NPD-Landtagsfraktion Sachsen als Experten zu einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses ein. Als Referent klopfte Rieger im August 2006 in Dresden beim Pressefest des NPD-Bundesorgans "Deutsche Stimme" ausländerfeindliche Sprüche. Einen Monat später trat er dem NPD-Kreisverband Hamburg-Altona als Mitglied bei. Rieger - der RechtsanwaltDer Neonazi in Anwaltsrobe betreibt seit 1975 eine Kanzlei. Er wohnt im noblen Hamburger Stadtteil Blankenese, wo auch seine Kanzlei liegt. Rieger ist der reisende Staranwalt von Alt- und Neonazis. Er taucht bundesweit überall dort auf, wo Rechtsextremisten juristisch zu vertreten sind. Bekannt ist seine "Verschleppungstaktik" bei Prozessen. 1993 vertrat er führende Neonazi-Kader des "Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers" (KAH) vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Anwalt verlangte die Vernehmung von 500 Zeugen, wurde als Pflichtverteidiger abgelöst und mit einem Strafverfahren wegen Begünstigung und Strafvereitelung bedacht - ohne Folgen. Rieger hat notorische Holocaustleugner wie Thies Christophersen und den Schweizer Max Wahl, Neonazis wie Michael Kühnen oder den Niederländer Eite Homann, die Skin-Band "Kraftschlag" und Meinolf Schönborn, Vorsitzender der verbotenen "Nationalistischen Front" (NF), verteidigt. Die Interessen der NF auf Wiederzulassung vertrat Rieger vor dem Bundesverfassungsgericht. Seit nunmehr über einem Jahr steht Rieger unter anderem dem Holocaustleugner Ernst Zündel als Rechtsanwalt zur Seite. Gegen Zündel wird vor dem Landgericht Mannheim unter anderem wegen Volksverhetzung verhandelt. Einen Skandal provozierte Rieger 1981 bei einem NS-Prozess. Beim Strafverfahren gegen den Warschauer SS-Polizeiführer und SS-Obersturmführer Arpad Wiegand erklärte Rieger in seinem Plädoyer, Grund für die Errichtung und Absperrung des Ghettos sei das Bestreben gewesen, den Flecktyphus einzudämmen. Die vor Ort herrschende Hungersnot wäre "bei ein bißchen Solidarität" der dort lebenden "260.000 Juden, die Kapitalisten oder Arbeiter waren", verhindert worden. Rieger: Es sei "durchaus fraglich, ob auch nur ein Jude an Hunger im Ghetto gestorben wäre, wenn es mehr Solidarität unter den Juden gegeben hätte". (13) Im April 1986 verurteilte das Landgericht Hamburg Rieger deshalb wegen Beleidigung der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Geldstrafe. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob im September 1987 das vorinstanzliche Urteil aus "sachlich-rechtlichen Gründen" auf. Rieger habe als Verteidiger unter Wahrnehmung berechtigter Interessen für seinen Mandanten gehandelt. Im Mai 2004 bestätigte der BGH ein Urteil des Landgerichts Hamburg vom April 2003, in dem Rieger wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Geldstrafe von 3.360 verurteilt worden war. Rieger hatte 1996 in einem Strafverfahren vor dem Landgericht Hamburg als Verteidiger eines Hamburger Neonazis die planmäßige Massenvernichtung von Juden in NS-Konzentrationslagern unter Hinweis auf das Pseudogutachten des Revisionisten Germar Rudolf geleugnet. Ebenfalls im Mai 2004 bestätigte der BGH die erneute Verurteilung Riegers wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durch das Landgericht Hamburg. Der BGH zog damit einen Schlussstrich unter einen sechsjährigen Rechtsstreit. Rieger war zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er im Frühjahr 1997 bei der Verteidigung des wegen Volksverhetzung angeklagten damaligen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert in Beweisanträgen behauptet hatte, die Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau seien keine Vernichtungslager gewesen, in denen Menschen durch Giftgas getötet worden seien. Im Juni 2005 wurde Rieger vom Amtsgericht Rotenburg (Wümme) wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen a 40 Euro verurteilt. Rieger habe einem Fotographen gedroht: "Wenn der Heisenhof brennt, dann brennst Du auch. Ich werde dich auf einen Grill legen und langsam durchbraten." (zum "Heisenhof" siehe "Rieger - der 'Immobilienmakler'") Der Angeklagte hat die Äußerung vor Gericht eingeräumt, aber erklärt, sie sei nicht ernst gemeint gewesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (14) Wie erklärt sich der geringe Tagessatz von 40 Euro? Dazu sagte der zuständige Amtsgerichtsdirektor: "'Rieger hat angegeben, dass er keine Einkünfte hat, sondern aus der Substanz lebt.'" (15) Nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" habe das Gericht daher lediglich den Mindestbetrag angesetzt. Rieger - der "Immobilienmakler"Mit Immobilien kennt sich Rieger aus. 18 Jahre lang, bis 1995 gehörte er dem Vorstand des "Blankeneser Grundeigentümer-Vereins e.V.", zuletzt als zweiter Vorsitzender, an. Er vertrat den Verein auch vor Gericht. Riegers rechtsextreme Umtriebe haben die feine Blankeneser Gesellschaft offenbar nicht gestört. 1995 kaufte Rieger in Schweden das Schloßgut Sveneby für 2,2 Millionen Mark. Das Gutshaus mit 18 Zimmern stammt aus dem 18. Jahrhundert. Das Anwesen umfasst 650 ha Ackerland und Wald. Ursprünglich wollte Rieger dort eine deutsche Kommune gründen. Interessenten suchte er per Anzeige in der rechtsextremen Monatszeitschrift "Nation & Europa": "Gesucht: bis zu 18 junge deutsche Familien, die in Schweden auf einem 650 ha großen Gut siedeln wollen. Im Herrenhaus soll ein Altenheim errichtet werden. Ziel: in wunderschöner, unberührter Landschaft ein Leben nach eigener Art, unbeeinflußt durch Umerziehung, Überfremdung, Drogen und Rauschgift, mit eigenem Kindergarten und eigener Schule zu führen." (16) Aus der Kommune wurde nichts und Rieger ließ stattdessen von Gleichgesinnten zeitweise Viehzucht betreiben. Dafür erhielt er bis zum Jahr 2000 mehrere hunderttausend Mark Fördergelder aus dem Agrartopf der Europäischen Union. Im Februar 2001 kam das Aus für den Nebenerwerbslandwirt Rieger. Das zuständige schwedische Veterinärbehörde verbot Rieger die Tierhaltung. Rieger hatte, so ein Behördenvertreter, das Vieh ohne ausreichend Wasser und Futter verwahrlosen lassen. (17) Das Gut steht heute vorwiegend still. Zeitweilig hielt sich auf dem Gelände der schwedische Hardcore-Neonazi Magnus Söderman, einer der Führer der militanten "Schwedischen Widerstandsbewegung", auf. (18) 1999 kaufte Rieger in Hameln einen Gebäudekomplex für rund zwei Millionen Euro mit Wohnungen, Ladengeschäften und einem Kino. Zuletzt wollte Rieger in dem Haus ein Zentrum für rechtsextreme Musik einrichten. Doch auch dieses Ansinnen scheiterte. Über eine Firma bietet Rieger seit August 2006 das Geschäftshaus zum Preis von 2,5 Millionen Euro zum Verkauf an. 2003 erwarb Rieger für die "Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation Ltd." bei einer Immobilienauktion das sogenannte Schützenhaus im thüringischen Pößneck im Saale-Orla-Kreis für 360.000 Euro. Im April 2004 fand in dem ehemaligen städtischen Kulturhaus der NPD-Landesparteitag Thüringen statt. Im Anschluss an den Parteitag spielte das NPD-Mitglied Michael Regener (Szene-Name "Lunikoff"), Sänger der als kriminell eingestuften Neonazi-Band "Landser", auf. Ca. 1.000 Personen hielten sich während des braunen Gegröles in dem Gebäude auf. Im April 2004 ersteigerte die "Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation Ltd." die ehemalige Bundeswehrliegenschaft "Heisenhof" in Dörverden, Landkreis Verden, zum Preis von 255.000 Euro. Bei der Liegenschaft handelt es sich um ein 26.000 Quadratmeter großes Grundstück mit mehreren Gebäuden, die zuvor von der Bundeswehr als Standortverwaltung, Offizierheim und als Offizierswohnungen genutzt wurden. Als Direktor der Grundeigentümerin war Rieger im britischen Register eingetragen. Nach einer Äußerung Riegers beabsichtigte er angeblich, auf dem Gelände des "Heisenhofes" Fruchtbarkeitsforschung zu betreiben. Im September 2006 wies das Gericht eine Klage von Rieger gegen eine zuvor untersagte Nutzung des Anwesens durch die Stadt ab; Rechtsextremisten wie Daniel Fürstenberg, seit Januar 2006 Landesvorsitzender der niedersächsischen Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD, dürfen auf dem "Heisenhof" nicht wohnen. Riegers Pläne im "Heisenhof" eine Art NS-Lebensborn mit angeschlossener Tagungsstätte zu machen, stehen damit vor dem Aus. Trotz städtischen Nutzungsverbotes diente jedoch das Anwesen vor dem richterlichen Urteil als eine Art regionale rechtsextreme Wahlkampfbasis bei den niedersächsischen Kommunalwahlen am 10. September 2006. Bei den Kommunalwahlen in Dörverden erzielte die NPD 4,4 Prozent. In den Gemeinderat wurde Fürstenberg gewählt. Benannt ist die "Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation Ltd." nach dem 2002 verstorbenen Bremer Lehrer Wilhelm Tietjen, der über Jahre hinweg regelmäßig von Rieger besucht wurde. Tietjen gehörte der NSDAP und der SS an und hat nach 1945 mit Börsengeschäften ein Vermögen erworben. Er war Ehrenmitglied der "Artgemeinschaft" und Abonnent der antisemitischen Hetzpostille "Die Bauernschaft", in der gebetsmühlenartig der Holocaust geleugnet wurde. In den 20er Jahren arbeitete Tietjen in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Dort soll er sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen haben und konnte deshalb keine Kinder zeugen. Die "Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation Ltd." wurde im November 2001 als "Private Limited Company" für den Geschäftsbereich "Advertising" mit dem Sitz im Vicarage House S44, 58-60 Kensington Church Street in London unter der Registernummer 04326557 bei dem britischen "Companies House" angemeldet. "Director" (= Geschäftsführer) war seit diesem Tag Rieger. Die Rieger-Lebensgefährtin Theda Ites trat 2004 als "Secretary" der Stiftung zurück. Ihr Nachfolger wurde der Schwede Ingemar Lext; als Adresse hat er in London das Rieger-Gut in Sveneby angegeben. Dort arbeitete Lext tatsächlich auch zeitweilig und kümmerte sich um Riegers Schweinezucht. Im September 2006 wurde die Stiftung aus dem britischen Handelsregister gelöscht. Rieger hatte es versäumt, einen Geschäftsbericht vorzulegen. Was mit dem Vermögen der Stiftung geschieht, war Mitte September 2006 unklar. Die Konten wurden vorerst eingefroren. (19) Anmerkungen
1. Über den Verkauf des Hotels an Rieger bzw. an die Stadt war Mitte September 2006 noch nicht entschieden. 2. Hirsch, Kurt: Rechts von der Union. München 1989, S.169 ... zurück zum Text 3. Rieger, Jürgen: Rasse - ein Problem auch für uns! Hamburg 1969 ... zurück zum Text 4. a.a.O., S.18 ... zurück zum Text 5. a.a.O., S.47 ... zurück zum Text 6. a.a.O., S.50 ... zurück zum Text 7. Vgl. dazu: Jahresbericht 2004 des Landesamtes für Verfassungsschutz Niedersachsen, S.11 ... zurück zum Text
8. "Huttenbriefe", 3/1988, S.7 9. Jahresbericht 2004 des Landesamtes für Verfassungsschutz Berlin, S.212f ... zurück zum Text 10. Privatarchiv Anton Maegerle ... zurück zum Text 11. ARD-Politmagazin Panorama v. 11.01.1993 ... zurück zum Text 12. Zit.n. Frankfurter Rundschau v. 29.03.2004 ... zurück zum Text 13. dpa v. 29.09. 1987 ... zurück zum Text
14. dpa v. 09.06.2005 15. Zit.n. Meyer, Roland: Was macht eigentlich Jürgen Rieger? In: Rotenburger Rundschau v. 13. Juni 2005 ... zurück zum Text 16. "Nation & Europa", 2/1995, S.75 ... zurück zum Text 17. Vgl. dazu: Wolff, Reinhard: Rieger hat ausgequält. In: taz v. 17./18. Februar 2001 ... zurück zum Text 18. Siehe dazu: Report München v. 19.07.2004: Unter dem Deckmantel der Bürgerlichkeit - Die perversen Pläne des Neonazi Jürgen Rieger" ... zurück zum Text 19. Anmerkung der redok-Redaktion: Nach der Löschung der Tietjen-Stiftung aus dem Firmenregister hatte ein Amtsgericht in Thüringen die Verfügungsgewalt über den "Heisenhof" und das "Schützenhaus" zunächst an einen so genannten Nachtragsliquidator übergeben. Rieger hatte später die Tietjen-Stiftung erneut ins englische Firmenregister eintragen lassen. Nach einer Entscheidung des Landgerichts Gera im Juli 2008 bekam Rieger die Verfügung über die beiden Immobilien zurück. Siehe dazu: Rieger wieder Herr im Hause ... zurück zum Text
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