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Neonazis / Holocaustleugner / Antisemitismus / Vor Gericht
Bewährung wegen schlechter Gesundheit PDF Drucken E-Mail
redok   
13.11.2009
Marburg. In einem Berufungsprozess ist der 80-jährige Manfred Roeder vom Landgericht Marburg wegen Volksverhetzung zu einer Strafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Roeder war in der ersten Instanz zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Die jetzige Aussetzung der Strafe zur Bewährung beruht vor allem auf dem schlechten Gesundheitszustand Roeders.

Laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau hatte Roeder als Kopf der "Deutschen Bürgerinitiative" (DBI) in einem DBI-Rundbrief an über 1.400 Gesinnungsgenossen über den Holocaust geschrieben, dass das deutsche Volk "die Dinge, die Hassapostel ihm andichten wollen, niemals begangen hat". Die Deutschen würden in "endlose Debatten" über den Holocaust verwickelt, damit sie nicht merkten, wie das Land inzwischen von Türken übernommen werde, "den Todfeinden des Reiches seit 500 Jahren".

Das Amtsgericht Schwalmstadt hatte ihn wegen dieser Äußerungen bereits vor zwei Jahren zu einem Jahr Haft verurteilt. In der Berufung behielt das Landgericht am heutigen Freitag das Strafmaß bei, setzte die Haft aber zur Bewährung aus.Als Gründe dafür nannte das Gericht die lange Verfahrensdauer und den angegriffenen Gesundheitszustand des 80-Jährigen, der an Krebs erkrankt ist und mit einem Rollator in den Gerichtssaal kam. In dem Verfahren konnte deswegen nur zwei Stunden täglich verhandelt werden. "Es ist gerade noch vertretbar, eine Bewährungsstrafe auszusprechen", sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

Der ehemalige Rechtsanwalt Roeder war bereits 1982 als Rädelsführer einer terroristischen Vereinigung zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Zwei seiner Anhänger hatten 1980 zwei vietnamesische Asylbewerber ermordet; Roeder hatte am Abend des Mordes laut seinem Tagebuch mit den beiden Mördern ein "Festessen" veranstaltet. Wegen guter Führung war Roeder schon 1990 vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Jedoch wurde Roeder auch in den folgenden Jahren wegen verschiedener Sachverhalte immer wieder zu Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt.  Im August 2004 wurde er wegen Verunglimpfung des Staates vom Landgericht Frankfurt/Main zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. In den letzten Jahren hatte sich Roeder verstärkt um Kontakte und Zusammenarbeit mit russischen Rechtsextremisten bemüht. 2008 hatte er auf Einladung von faschistischen Anhängern des Ex-Diktators Franco eine Vortragstour durch Spanien absolviert. Sein "Reichshof" in Schwarzenborn (Knüll) im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis diente seit Jahrzehnten als Veranstaltungsort für Neonazi-Treffen und Sonnwendfeiern.

Zuletzt war Roeder Anfang Oktober im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe aufgefallen, als er mit der Besatzung eines Reisebusses aus Hessen das Hermannsdenkmal und die Externsteine aufsuchte. Der externer Linkblick nach rechts hatte über den Ausflug des im Gerichtssaal auf einen Rollator angewiesenen Roeder zu den Externsteinen berichtet: "Der 80-jährige Holocaust-Leugner zog in roten Sportschuhen und mit zwei Wanderstöcken eilig voran." Zu Roeders Gesellschaft hatte auch noch eine Gruppe von rund 30 Autonomen Nationalisten (AN) aus Teltow-Fläming und Plön gefunden, die sich dort mit dem Abfotografieren anwesender Pressevertreter beschäftigte. Roeder dagegen versuchte sogar handgreiflich zu werden: laut dem blick nach rechts ging er mit Kameraden und Stöcken wütend auf die Journalisten los.