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Antisemitismus
Lanzmann: Weltweit einmaliger Skandal PDF Drucken E-Mail
redok   
19.11.2009
Hamburg. Im Skandal um die Verhinderung einer Filmvorführung hat sich nun auch der Regisseur Claude Lanzmann zu Wort gemeldet. Noch nie sei weltweit die Vorführung seiner Filme verhindert worden, sagte der 83-Jährige gegenüber Spiegel online.

Über die Aktion einer antiimperialistischen Gruppierung war vor drei Wochen bei externer Linkredok, beim NPD-Blog und in der Wochenzeitschrift externer LinkJungle World berichtet worden. In den folgenden Wochen maßen nur wenige Blogs wie etwa externer LinkDissonanz dem Angriff auf einen Film über Israel Bedeutung zu und brachten auch externer LinkLanzmann selbst zu Wort: "Aber was mich am meisten schockiert hat, war die Gleichgültigkeit der deutschen Presse, die schlichtweg nicht über diesen antisemitischen Vorfall berichtet hat." Nachdem die Jungle World den Skandal heute in einem externer Linkaktuellen Artikel erneut aufgriff, wird der Vorfall jetzt auch zum Thema von Mainstream-Medien: Heute berichten externer LinkSpiegel online und die Agentur externer Linkddp über die Blockade des Kinos auf St. Pauli, das den Lanzmann-Film zeigen wollte.

Gegenüber Spiegel online äußerte sich der Regisseur des Films Claude Lanzmann, der sich über die Vorfälle "schockiert" zeigte. "Es ist noch nie irgendwo auf der Welt die Vorführung meiner Filme verhindert worden", sagte er dem Internet-Nachrichtenportal. Dass ein Films über Israel ausgerechnet in Deutschland boykottiert und blockiert wurde, veranlasste den französischen Filmemacher zu der Forderung: "Die Deutschen dürfen nie wieder als Herren auftreten". Über die Motivation der Blockierer sagte Lanzmann: "Sie nennen es Antizionismus, aber es ist Antisemitismus".

Die Agentur ddp berichtet, der Polizei habe keine Anzeige wegen der berichteten Rufe wie etwa "Judenschweine" vorgelegen. "Sonst hätten wir sofort wegen Volksverhetzung ermittelt", sagte ein Polizeisprecher. Allerdings ermittle der Staatsschutz inzwischen wegen einer Tage später erfolgten Auseinandersetzung zwischen zwei Personen im Zusammenhang mit den Ausschreitungen.

Linker Eiertanz

Auf einer Webseite des Hamburger Landesverbandes der Partei "Die Linke" war zeitweise eine Rechtfertigung der linken Antisemiten für ihre Blockadeaktion veröffentlicht gewesen. Nachdem der "Linke-"Landesvorstand durch die Veröffentlichungen über den Vorfall darauf aufmerksam geworden war, blieb es im Vorstand zunächst umstritten, wie die Partei damit umgehen solle. Die Seite mit der Rechtfertigung verschwand dann bald - doch nicht wegen eines klaren Beschlusses der Partei, sondern weil die für den Text verantwortliche innerparteiliche Arbeitsgruppe "Kritische Linke Hamburg" sich als aufgelöst erklärt hatte.

Eindeutig geäüßert über die Blockade hatte sich nur Christiane Schneider, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der "Linke" in der Hamburger Bürgerschaft: "Ihr politischer Zweck war es, mit dieser Provokation das Existenzrecht Israels als Zufluchtsort jüdischen Lebens demonstrativ zu bestreiten. Zugleich wurde damit das Recht bestritten, dass sich die Erfahrung jüdischer Menschen, eben diesen Zufluchtsort zu benötigen, in der [deutschen!] Öffentlichkeit artikulieren."

Auch über die Art der Behandlung eines strittigen Themas in ihrer Partei mokierte sich Schneider und forderte: "Aber die Klärung, dass Positionen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen, in der LINKEN keinen Platz haben, steht aus. Ich halte sie für unabdingbar."

Die Vorführung des Films "Warum Israel" soll nun am 13. Dezember um 16 Uhr im externer LinkB-Movie nachgeholt werden.