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Auch NS-Täter stehen auf dem Denkmal PDF Drucken E-Mail
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21.11.2009
Großburgwedel. Auf einem Mahnmal im niedersächsischen Großburgwedel wird auch an fünf SS-Männer und einen Angehörigen des Gestapo-Sicherheitsdienstes erinnert. Am Volkstrauertag wurde es offiziell eingeweiht. Heftiger Protest sorgte dafür, dass die Namen der sechs Personen vorerst überklebt wurden.

Ursprünglich war das Mahnmal nicht als solches, sondern als Ehrenmal für im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Großburgwedel (Region Hannover) geplant. Angeregt hatte die Debatte um ein Ehrenmal die örtliche Soldatenkameradschaft, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) aus Hannover.

Die Soldatenkameradschaft unterhält offenbar gute Beziehungen zum Großburgwedeler Bürgermeister Otto Bahlo (CDU), so die DIG. Denn Bahlo ist auch Mitglied des Vorstandes der ortsansässigen "General-Wöhler-Stiftung", die das Erbe des Kriegsverbrechers Otto Wöhler verwaltet.

Der SPD-Politiker Rudolf Gutte hatte sich im Ortsrat mit dem Vorhaben durchgesetzt, aller Opfer des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs zu gedenken - und nicht ausschließlich der gefallenen Soldaten. Über 40 Anträge habe er wegen der Mahnmals-Debatte im Rat gestellt, sagt Gutte. Darüber, dass letztendlich die Namen von SS-Männern auf den Glasplatten des Denkmals stehen, sei er traurig. "Enttäuscht" sei er vor allem von seiner eigenen Fraktion, von der er sich mehr Rückhalt gewünscht hätte.

Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen hatte darum gebeten, die Namen von Holocaust-Opfern nicht neben denen von NS-Verbrechern auf ein Mahnmal zu setzen. Dem kam die Gemeinde nach.

Bis kurz vor der Einweihung am Volkstrauertag rechtfertigte die Stadt Burgwedel die Nennung der SS-Männer auf dem Mahnmal damit, dass den Mitgliedern der verbrecherischen Organisation keine persönliche Schuld an Kriegsverbrechen nachgewiesen werden könne. Nach heftiger Kritik auch durch das Simon-Wiesenthal-Center in Jerusalem kam es nun zu einer weiteren Überprüfung, die Gegenteiliges hervorbrachte.

Mindestens zwei der auf dem Mahnmal genannten SS-Angehörigen sollen Einheiten angehört haben, die an Massenerschießungen von Juden beteiligt waren. Das habe das Niedersächsische Institut für Regionalforschung innerhalb kürzester Zeit herausgefunden, sagte Kay Schweigmann-Greve, Vorsitzender der DIG, gegenüber indi-rex. Daraufhin habe der Ortsrat beschlossen, die Namen vorübergehend zu überkleben.

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Mahnmal mit überklebten SS-Namen (Bild: indi-rex)

Dass die Verantwortlichen die SS-Männer als "unschuldig" einordneten, verwundert umso mehr unter dem Aspekt, dass diese allesamt freiwillig in die Waffen-SS eingetreten waren, wie Schweigmann-Greve feststellt.

Zur Einweihung des Denkmals erschienen dann weit über 100 Großburgwedeler, darunter auch Mitglieder der Soldatenkameradschaft. Hendrik Hoppenstedt, Bürgermeister der Stadt Burgwedel, war nach der Zeremonie am Volkstrauertag froh, dass es keine hörbaren Proteste gegen die Einweihung gegeben hatte. Lediglich einige Antifaschisten hatten Flugblätter vor dem Friedhof verteilt.

Dieser Artikel erschien zunächst bei dem Internetportal externer Linkindi-rex. Die Veröffentlichung bei redok erfolgt mit freundlicher Genehmigung.