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Antisemitismus
Milde Backpfeifen bei der Hamburger "Linke" PDF Drucken E-Mail
redok   
24.11.2009
Hamburg. Erneut ist beim Hamburger Landesverband der Partei "Die Linke" ein Artikel veröffentlicht worden, mit dem die Blockade eines Films über Israel gerechtfertigt wird. Eine frühere Verteidigung des Boykotts gegen den Film war kommentarlos von der Linke-Internetseite entfernt worden.

Die Blockade des Films von Claude Lanzmann "Warum Israel" war Ende Oktober zunächst nur in wenigen Internet- und Printmedien thematisiert worden. Auf der Webseite des Hamburger Linke-Landesverbands war bald eine Rechtfertigung der Blockade-Aktion erschienen, die von einer innerparteilichen Arbeitsgruppe "Kritische Linke Hamburg" verantwortet wurde. Christiane Schneider, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der "Linke" in der Hamburger Bürgerschaft, hatte die Rechtfertigung verurteilt, konnte aber offfensichtlich keinen entsprechenden eindeutigen Beschluss im Landesvorstand der Partei bewirken.

Das Problem wurde schließlich damit "gelöst", dass die Arbeitsgruppe sich auflöste und damit auch alle ihre Texte von den Webseiten genommen wurden. Schneider hatte angemahnt: "Aber die Klärung, dass Positionen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen, in der LINKEN keinen Platz haben, steht aus. Ich halte sie für unabdingbar."

Ihre Mahnung wird jetzt durch die erneute Veröffentlichung einer Blockade-Rechtfertigung unterstrichen. Diesmal ist es eine Arbeitsgruppe "Medien - Rote Reporter", die in einer Rubrik "Partei intern" externer Linkeinen länglichen Text einer bis dahin unbekannten Gruppierung "Kommunistische Assoziation Hamburg" veröffentlicht hat. Darin heißt es, über die Blockade sei "in gewohnt hysterischer Manier geschrieben worden". In der kritischen Berichterstattung über die Boykott-Aktion hätten sich "Hassprediger in ihren deutsch-pathologischen Propagandarausch" gesteigert.

Die Blockade selbst habe stattgefunden,  "um der gezielten und beabsichtigen Provokation der Gruppe Kritikmaximierung Hamburg angemessen zu begegnen". Die Besucher der verhinderten Filmvorführung hätten sich "Zugang zum B-Movie verschaffen" wollen, als ob sie Illegales im Sinn gehabt hätten. Doch auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Schneider blieb auf der Webseite ihrer eigenen Partei nicht ungeschoren: sie sei "Steigbügelhalter" von "Antideutschen".

Die Gewaltanwendung bei der Blockade des Lanzmann-Films sei keine Schlägerei gewesen, liest man auf der Linke-Webseite. Es habe Beleidungen gegen die Blockierer gegeben; daraufhin seien "ein paar besonnene und verhältnismäßig milde Reaktionen (Rempeleien, Schubsereien und vier Backpfeifen)" erfolgt.

Offenbar ist der Text dort bereits seit mindestens dem 16. November veröffentlicht. Eine Art Distanzierung von den Inhalten des Textes soll offenbar mit einer Kennzeichnung auf einer externer LinkSeitenübersicht erreicht werden, wo der Backpfeifen-Text als "Dokumentation eines umstrittenen politischen Standpunktes und einer Analyse, die zur Zeit innerhalb der ag medien / rote reporter Hamburg zur Diskussion stehen" bezeichnet wird. Andere Standpunkte zu der Blockadeaktion sind auf der "Linke"-Webseite allerdings nicht zu finden.

Aus dem Hamburger Linke-Landesverband kommt der Bundestagsabgeordnete Norman Paech, der im November 2008 mit zehn anderen Linke-Abgeordneten der Bundestags-Abstimmung über eine Resolution gegen Antisemitismus fernblieb, die unter anderem von der eigenen Partei eingebracht worden war.