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Antisemitismus
Ein Pavian in der "Jungen Welt" PDF Drucken E-Mail
Karl Pfeifer   
10.02.2010
Ronald Kohl lässt als Freund der Palästinenser beim Schreiben seiner Filmrezension "Sharon von Gaza" in der Berliner Jungen Welt vom 11. Februar 2010 seinen Ressentiments freien Lauf und schreckt nicht davor zurück, das Alte Testament selektiv zu zitieren, um zu beweisen, wie unmenschlich die Juden schon immer waren. So liefert die Junge Welt wieder einmal ein Beispiel für sekundären Antisemitismus. Die Juden bedrohten demnach schon vor Jahrtausenden die Ägypter  und - da staune man - sie beachteten nicht die vierte Genfer Konvention.

Das liest sich dann in der Berliner Jungen Welt so: "Gemäß der vierten Genfer Konvention sind Kollektivstrafen verboten. Im Alten Testament gehören sie zum Programm. 'Wenn du mein Volk nicht ziehen läßt, lasse ich Ungeziefer auf dich los', spricht Jahwe zum Pharao. 'Die Häuser in Ägypten werden voll Ungeziefer sein. (...) Ich mache einen Unterschied zwischen meinem Volk und deinem Volk.'"

Ronald Kohl schreckt nicht davor zurück, ein Bibelzitat vollkommen aus dem Kontext zu reißen. Dass die Juden in Ägypten als Sklaven gehalten wurden, wissen die meisten der in der DDR sozialisierten Leser der Jungen Welt nicht.

Kann man sich vorstellen, dass in der Jungen Welt mal was aus dem Koran zitiert werden würde, um zu beweisen, dass Muslime, die zur Zeit in Darfur (Sudan) einen regelrechten Genozid durchführen, schon immer dazu neigten?

Es geht um eine Schweiz/Qatar Koproduktion, in der Gaza gezeigt wird, wo es kaum noch Tiere im Zoo gibt, und wo - das ist Hamas-Humor - der einzige Pavian "Sharon" genannt wird. Man stelle sich den Zorn und die Aufregung vor, wenn man ein Tier im Tel Aviver Zoo Arafat oder Haniya nennen würde. Aber dass der Pavian Sharon genannt wird,  das findet der Schreiberling in Ordnung: "Die jugendlichen Tierpfleger machen sich immer wieder einen Jux daraus, Sharon in seinem stählernen Käfig auf die Palme zu bringen. Und der springt auch jedes Mal darauf an. Er dreht Achten, kreischt und rüttelt wie von Sinnen an den Gitterstäben. Würde er sich anders verhalten, gäbe es vermutlich keinen Grund, ausgerechnet Sharon am Leben zu halten …"

Da fühle ich tiefes Mitleid mit dem gequälten Pavian, der vielleicht intelligenter als der Schreiber dieser Rezension ist, der den Juden vorwirft, vor Jahrtausenden nicht die 1949 beschlossene Genfer Konvention beachtet zu haben.