| Antisemitismus | |||
| "Der Jude Finkelstein" und Dr. Verlegers "jüdelnde Gruppen in Der Linken" |
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| Karl Pfeifer | |
| 22.02.2010 | |
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Die Wiener Neue Kronenzeitung (NKZ) ist die österreichische Tageszeitung mit der höchsten Auflage, deren Blattlinie den Meinungen ihres reaktionären Mitbesitzers Hans Dichand entspricht. Vor einigen Jahrzehnten meinte ein deutscher Journalist, Bild sei im Vergleich zur NKZ "ein Bistumsblatt".
Hans Dichand engagierte den früher linksschreibenden Gedichteschmied Wolf Martin, der täglich seine zumeist politischen Gedichte abliefert. Nachdem der angesehene Piper-Verlag Norman Finkelsteins Buch 2001 herausgab, löste dies Begeisterung von Wolf Martin und bis zu den Neonazimedien sowie dem Nationalbolschewisten Werner Pirker aus. Doch niemand brachte es so schön auf den Punkt wie der NKZ-Lohnschreiber:
Als Norman Finkelsteins Vortrag in Wien im Mai 2009 von der Universität in ein Hotel verlegt werden musste, hob das Jammern um mangelnde Meinungsfreiheit an. Doch die Intervention des Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden, der "Vereinigung AkademikerInnen für Frieden im Nahen Osten" (SPME Austria) und der "Aktion gegen Antisemitismus in Österreich" war erfolgreich. In Österreich, wo es lange Schwierigkeiten mit der Annahme von Schuld gegeben habe, sahen die protestierenden Organisationen einen "fruchtbaren Boden" für die Behauptungen Finkelsteins. Sie äußerten die Befürchtung, dass die Aussagen des umstrittenen Autors "gerade jene fast 50 Prozent der ÖsterreicherInnen, die meinen, dass die Juden den Holocaust für ihre Zwecke ausnutzen", bestätigen würden. Es wurde auch auf das große Wohlwollen, das Finkelstein in der rechtsextremen Szene genießt, hingewiesen. Diesen Sachverhalt haben bereits 2001 Martin Dietzsch und der allzu früh verstorbene Alfred Schobert dokumentiert. [1] Den Begriff "jüdischer David Irving" prägte Ingrid Rimland, die Ehegattin des Holocaustleugners Ernst Zündel. Auf ihrer Mailingliste ZGRAM feierte sie Finkelstein in höchsten Tönen. Und zitierte Zündel:
Die linksliberale Wiener Wochenzeitung Falter publizierte im Mai 2009 einen Kommentar, in dem die Haltung der Wiener Universität kritisiert und behauptet wurde, dass nicht die politische Sensibilität und das demokratische Bewusstsein an den verantwortlichen Stellen, sondern die "politischen Positionen jüdischer Funktionäre Maßstab für die Redefreiheit an heimischen Universitäten" seien. Diese Sicht der jüdischen "Lobby" als große Macht teilte der Redakteur mit Finkelstein, den er eine Ausgabe später dann auch noch interviewte. [2] Unter dem Titel Ein Antisemit blamiert die Antiantisemiten nahm die Wiener Aktion gegen Antisemitismus dazu Stellung und schrieb u.a.:
In der Regel kommen viele positive Initiativen aus Deutschland zu uns, in diesem Fall folgten eine evangelische Kirche, die Heinrich Böll Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin sowie das Amerika-Haus in München dem Schritt der Wiener Universität und luden Finkelstein aus. Dazu meldet sich wieder Dr. Rolf Verleger, Vorsitzender einer Vereinigung, die "Juden gegen Israel" genannt werden sollte, als Kronzeuge für Norman Finkelstein. Rechtsextremisten, wie zum Beispiel der zum schiitischen Islam konvertierte Wiener Faschist Robert Schwarzbauer sowie auch einige "antiimperialistische" und/oder nationalbolschewistische Medien veröffentlichen diese Erklärung von Verleger, der beklagt: "Dr. Norman Finkelstein hat seinen Flug nach Deutschland storniert. Er wollte vom 24.2. bis 26.2. in München, Milbertshofen und Berlin sprechen. […] Der auf seine elterlich-jüdische Tradition stolze Finkelstein wurde als 'Antisemit' und 'Geschichtsrevisionist' diffamiert, mithin in die Nazi-Ecke gestellt. Die Jüdische Gemeinde Berlin, jüdelnde Gruppen in Der Linken (Arbeitskreise namens 'Shalom') und ein jüdischer Arbeitskreis in der SPD riefen zur Demonstration gegen Finkelstein auf…" Ich habe schon ein anderes Mal Kritik an der Schreibweise von Dr. Verleger geübt [3] und muss es wieder tun. Da die Muttersprache von Dr. Verleger Deutsch ist, gehe ich davon aus, dass er die Bedeutung des Wortes "jüdeln" kennt. Laut Duden bedeutet es mit jiddischem Einschlag sprechen. Es könnte also sein, dass Dr. Verleger unterstellen will, dass die "jüdelnde Gruppen in Der Linken" aus Juden besteht, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Auch wenn er dies ausdrücken wollte - was natürlich vollkommen unsinnig wäre - ist das diskriminierend. Wenn er aber ausdrücken wollte, dass es sich um nichtjüdische Deutsche handelt, die versuchen aus Osteuropa stammende Juden nachzuäffen, würde er aber diesen Gruppen Judenfeindlichkeit unterstellen, was genauso wenig glaubhaft ist, wie die obige Alternative. "Jüdeln" bezieht sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur auf einen "typisch jüdischen" Tonfall, sondern auf die Handlungsweise von Juden. "Jüdeln" war, wie Sander Gilman in seiner bedeutenden Schrift "Jüdischer Selbsthaß" hervorhebt, das Symbol für das verlogene, betrügerische und materialistische Handeln von Juden. Die Entrüstung von Dr. Verleger über deutsche Nichtjuden, die sich gegen Antisemitismus und Delegitimierung Israels stellen, bewirkt bei ihm eine gewisse Hilflosigkeit und macht verständlich, weshalb er sich in seinem Zorn der antisemitischen Diktion bedient.
[1] Martin Dietzsch und Alfred Schober (Hg.): Ein "jüdischer David Irving"? Norman Finkelstein im Diskurs der Rechten - Erinnerungsabwehr und Antizionismus. DISS Duisburg 2001, ISBN 3-927388-76-9
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