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NPD / Neonazis
Mit RAF-Spruch für "nationales Jugendzentrum" PDF Drucken E-Mail
redok   
02.12.2007
Berlin. Als öffentlich propagiertes Vorbild für Neonazis dient neuerdings die linksterroristische "Rote Armee Fraktion" (RAF). Auf einem Transparent trugen bei der gestrigen rechtsextremen Demonstration in Berlin junge Neonazis einen Ausspruch der RAF-Mitbegründerin Gudrun Ensslin durch die Straßen. Verbreitet wird ein Ensslin-Transparent-Bild von einer Webseite der "Jungen Nationaldemokraten" in Sachsen-Anhalt.

Während der Rechtsaußen-Demo für ein "nationales Jugendzentrum" beriefen sich die Jungnazis, die offenbar aus Kreisen von Brandenburger "Autonomen Nationalisten" stammen, unter ausdrücklicher Nennung der Urheberin auf dieses Zitat von Gudrun Ensslin:

Ich weiß, warum sie sagen: 'Man kann nichts tun', weil sie nichts tun wollen. Aber ich will etwas getan haben dagegen.

Offenbar hat die gemeinsam mit den "Freien Kräften" demonstrierende NPD sowie ihre Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) mit der Berufung auf die RAF-Führerin keine Probleme, denn eine Aufnahme des Transparents mit dem Ensslin-Spruch wird als Teil einer Bilderserie auf der Webseite der JN Bernburg/Staßfurt veröffentlicht; die Bilder sind mit dem Wasserzeichen "www.jn-stassfurt.de" versehen.

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Rechte Demonstration für "Jugendzentrum": RAF-Parole auf Neonazi-Transparent

Besitzer der Internet-Domain ist der JN-Landesvorsitzende Philipp Valenta, der auch NPD-Kreisvorsitzender im Salzlandkreis und seit mehreren Jahren Mitglied des JN-Bundesvorstands ist.

Welche Bedeutung die Terroristin Ensslin für junge Neonazis hat, wird allerdings schon seit Mitte April dieses Jahres von einer einschlägigen Webseite "Jugend-Offensive" aus der Lausitz deutlich gemacht. Das automatisch startende Video beginnt mit dem Rechtsrock-Lied "Wehr dich" der Gruppe "externer LinkHassgesang" aus Eisenhüttenstadt; darüber spricht eine Frauenstimme das Ensslin-Zitat in erweiterter Form:

Ich werde mich niemals damit abfinden, dass man nichts tut. Ich weiß, warum sie sagen: 'Man kann nichts tun', weil sie nichts tun wollen. Aber ich will etwas getan haben dagegen. Wir haben gelernt, dass Reden ohne Handeln Unrecht ist.

Im Gegensatz zum gestrigen Demo-Transparent wurde in dem Video der Name der Zitat-Urheberin noch nicht genannt. Gezeigt werden im Video Bilder mit einem Demo-Transparent "Solidarität mit unseren Gefangenen"; später wird optisch dem Führer-Stellvertreter Rudolf Hess und dem SA-Idol Horst Wessel gehuldigt. Wie die Jungnazis Rudolf Hess und Gudrun Ensslin auf einen Nenner bringen, wird mit der unterlegten Liedzeile deutlich: "Steckt man dich für deine Worte in den Knast, werden andere dir glauben, weil du geopfert hast".

Die Lausitzer "Jugend-Offensive" wird einer Gruppierung um den langjährigen Aktivisten Sebastian Richter zugerechnet. Richter ist seit September 2006 Mitglied im sächsischen JN-Landesvorstand und seit Anfang Oktober auch Mitglied des JN-Bundesvorstands. Dort ist Richter als "Schriftleiter" für die JN-Mitgliederzeitschrift "Der Aktivist" zuständig, die nach mehrjähriger Pause wieder erscheint und "dem Informationsfluß zwischen Führung und Basis" sowie als Schulungsorgan und Mitteilungsblatt dienen soll.